Das Architektur- und Ingenieurbüro Skidmore, Owings & Merrill hat beim Grossbauprojekt Hudson Yards das höchste Wohngebäude des Komplexes entworfen. Der stellvertretende Direktor des Bereichs Structural Engineering, Preetam Biswas, gibt Auskunft über die Herausforderungen beim verdichteten Bauen und die Rolle von Beton im Hochhausbau.

Verdichtetes Bauen ist eine zentrale Anforderung, gerade in Grossstädten. Was heisst das für die Architektur?

Wird vertikal gebaut, lässt sich verhindern, dass Grossstädte in die Breite wachsen. Das ist eine der nachhaltigsten Lösungen für die schnelle Urbanisierung in den kommenden Jahren. In den Städten entstehen heute Geschäfts- und Wohnzonen, wo Menschen in unmittelbarer Nähe arbeiten und leben können. Die Herausforderung für Architekten und Ingenieure besteht darin, auf knappem Bauland Areale und Gebäude zu entwerfen, die funktional durchmischt und vertikal angeordnet sind und eine hohe Lebensqualität bieten.

Welche Chancen bietet diese Entwicklung für SOM?

Skidmore, Owings & Merrill ist bekannt für Design und Engineering verschiedener Grossprojekte weltweit, von superhohen Gebäuden und Krankenhäusern über Flughäfen bis hin zu Schulen und Kongresszentren. Eine der grössten Stärken von SOM ist der multidisziplinäre Ansatz. Als Architektur- und Ingenieurbüro verschafft es uns einen einzigartigen Vorteil im Zeitalter vertikaler Städte. Das konnten wir unter anderem beim Burj Khalifa in Dubai unter Beweis stellen, dem höchsten Gebäude der Welt, oder beim Stadtentwicklungsprojekt Manhattan West in New York.

Wenn wir New York betrachten, ist die Stadt bereits sehr dicht besiedelt. Welche städtebaulichen Anforderungen gelten hier?

Die Nutzung von Luftrechten hat es ermöglicht, den Midtown-Geschäftsbezirk bis zum Hudson River zu erweitern. Allein bei den Stadtentwicklungsprojekten Hudson Yards und Manhattan West entsteht eine zusätzliche Gebäudefläche von über einer Million Quadratmeter. In den letzten zehn Jahren wurde durch Neubauten in Manhattan, Brooklyn und Queens eine Gebäudefläche errichtet, die der gesamten Innenstadt von San Francisco entspricht. In eine der dichtesten Städte der Welt wurde also eine ganze Stadt hineingebaut. Und dieses Phänomen bleibt nicht auf New York City beschränkt. Im Lauf des nächsten Jahrzehnts werden wir erleben, dass immer mehr Städte in die Höhe wachsen, weil die Bevölkerungszahl ansteigt.

Manhattan West und Hudson Yards sind Paradebeispiele für Verdichtung. Hier baut SOM zwei über 300 Meter hohe Bürogebäude sowie 35 Hudson Yards, das höchste Wohngebäude. Welche Anforderungen stellen Investoren an solche Projekte?

Bei solchen Projekten wird sehr genau auf den Mehrwert geachtet, der sich im lukrativen Immobilienmarkt realisieren lässt. Deshalb wird versucht, jeden Quadratzentimeter Fläche zu nutzen. Dabei spielen hochleistungsfähige Baustoffe wie etwa hochfester Beton eine sehr wichtige Rolle. Damit ist es möglich, Strukturen wie Wände oder Stützen kleiner zu dimensionieren und so mehr Raum zu gewinnen.

Wie können Lieferanten und Partner Sie bei solchen Projekten unterstützen?

Die Abläufe im Bau haben sich erheblich beschleunigt. Immobilienentwickler wollen möglichst schnell eine Rendite sehen. Das erfordert Baustoffe, die einen ehrgeizigen Zeitplan ermöglichen. Lieferanten, die diese Materialien herstellen, sind logischerweise unsere Partner. Als Designer schätzen wir besonders die Beziehungen mit Unternehmen wie beispielsweise Sika, die gezielt in Forschung und Entwicklung investieren und kontinuierlich Innovationen einführen.

Im Hochhausbau gewinnt Beton laufend an Bedeutung. Auch bei 35 Hudson Yards wird auf diesen Baustoff gesetzt. Weshalb?

Bei diesem 72-stöckigen Turm wurde alle zwei oder drei Tage ein Stockwerk fertig gestellt. Für diese hohe Geschwindigkeit sind ganz spezielle Betonzusatzmittel und Additive nötig. Dass bei Hochhäusern vermehrt Beton nachgefragt wird, liegt an seiner hohen Materialfestigkeit, kombiniert mit seiner Langlebigkeit.

Welche Vorteile bietet Beton bei der Gestaltung?

Beton ist nicht nur ein wirtschaftlicher Baustoff, er ist einer der vielseitigsten überhaupt. Die Nachfrage nach Beton steigt, weil verschiedene Zusatzmittel erweiterte Einsatzmöglichkeiten im Hochhausbau eröffnet haben. Für Wohnhochhäuser ist Beton heute der bevorzugte Baustoff. Er sorgt für eine hohe Steifigkeit der Gebäudestruktur und für wirksame Schalldämmeigenschaften, um Gebäudebewegungen zu minimieren und Gebäude ruhig zu machen – Eigenschaften, die für hohe Wohngebäude ein Muss sind.

DAS KONSTRUKTIONSMATERIAL DER 100 HÖCHSTEN GEBÄUDE WELTWEIT

Das 1931 eingeweihte Empire State Building in New York ist eines der berühmtesten Hochhäuser der Welt. Es ist ein Stahlskelettgebäude, wie es in den 1930er Jahren üblich war. Heute sind reine Stahlhochhäuser selten. Beton- sowie Beton-Stahl-Verbund-Konstruktionen sind die vorherrschenden Strukturen. Sie sorgen für hohe Steifigkeit, dämpfende Wirkung, Sicherheit und ermöglichen eine höhere gestalterische Flexibilität. Mit den Hochleistungs-Betonzusatzmitteln ist Sika ein Treiber dieser Entwicklung.

LAKTHA CENTER, SANKT PETERSBURG, RMJM

Das mit 462 Metern höchste Gebäude Europas symbolisiert mit seiner skulpturalen Erscheinung die Transformation von Wasser zu Eis. Dazu war ein immenses Betonfundament nötig, das es mit Sikas Unterstützung ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte.

125 GREENWICH, NYC, Rafael Viñoly Architects, SLCE Architects

Mit den um 90 Grad gedrehten «I-beams» aus hochfestem Beton ist das Gebäude äusserst windresistent. Das neue Wahrzeichen in Lower Manhattan punktet zudem mit der variablen Raumnutzung und der säulenfreien Aussicht für die Bewohner. Auch das ermöglicht die mit Sika Additiven gefertigte Betonkonstruktion.

MAHANAKHON BUILDING, BANGKOK, Ole Scheeren

Für den Wohn-, Hotel- und Geschäftskomplex mit seinen charakteristischen «Pixeln» und seinen 30 Prozent freitragenden Geschossflächen hat Sika Betonzusatzmittel, Abdichtungs- und Dachsysteme, Mörtel sowie Fussbodenlösungen geliefert.