Guten Tag. 

Mein Name ist Christopher Rossbach.  Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der J. Stern & Co.  Wir sind eine private Vermögensverwaltung in London und Zurich. 

Wir verwalten Vermögen mit einem langfristigen Ansatz für eine schweizer Familie und andere langfristige Investoren.  Wir sind seit mehr als zehn Jahren in Sika investiert und haben es vor auch für die nächsten zehn Jahre und länger zu sein.  In dieser Zeit hat sich das Unternehmen dank seiner Mitarbeitenden, seiner Geschäftsführung und seines Verwaltungsrates enorm entwickelt. 

Sika hat eine starke Wettbewerbsposition, eine aktive Forschung und Innovationen, und einen langfristigen Investitionsansatz. Mit den Investitionen in Fabriken auf der ganzen Welt über die letzten Jahre hat Sika eine Grundlage für Umsätze und Wertschaffung gelegt von denen wir alle profitieren werden.   

Als langfristiger Aktionär der Sika ist es mir deshalb ganz wichtig mich zuerst bei den Mitarbeitenden zu bedanken, die sich über viele Jahre, und jetzt auch trotz der Verwirrungen die uns so beschäftigen, um das Unternehmen verdient gemacht haben. 

Ich möchte mich auch bei der Geschäftsführung, Herrn Jenisch, und beim Verwaltungsrat, Herrn Hälg, und bei ihren Kollegen bedanken.  Sie haben eine große Verantwortung für das Unternehmen, seine Mitarbeitenden und alle Aktionäre. Sie nehmen ihre Verantwortung vorbildlich wahr. Sie setzen ein Beispiel für die Corporate Governance in der Schweiz und für die Wahrung der Schweiz als soliden und sicheren Geschäfts- und Finanzplatz.  Ich möchte Ihnen deshalb weiterhin unsere ausdrückliche Unterstützung aussprechen und unseren Dank für Ihre Arbeit für alle Aktionäre. 

Ich habe Herrn Grübler kennengelernt als ich zum ersten Mal investiert habe, Herrn Romuald Burkard aber leider nicht.  Dass der Sika Spirit, der von Romuald Burkard inspiriert wurde, noch heute so weiterlebt, in der Form eines so erfolgreichen Unternehmens und Mitarbeitenden die dem Unternehmen so verbunden sind, ist ein Testament für die Stärke seiner Vision.  Deshalb möchte ich mich auch—trotz der Meinungsverschiedenheiten—bei der Familie Schenker-Winkler-Burkard bedanken.  Ihrem langfristigem Eigentum ist Sika und der Wert den es darstellt zu verdanken.   

Die Übernahme durch St. Gobain stellt dies alles aber in Frage.  Als ich zum ersten Mal in Sika investiert habe hatte sich die Aktie gerade von etwa 600 Schweizer Franken auf 800 erhöht.  Immerhin!  Ich habe erst gedacht ich hätte es verpasst.  Heute ist die Aktie wieder auf 4000 Franken, ein fünfacher Anstieg, durch die harte Arbeit aller Mitarbeitenden und trotz der Wirrungen der letzten Jahre. 

Die Aktie von St. Gobain habe ich schon damals nicht gekauft.  Sie ist auch heute noch auf dem gleichen Niveau wie damals.  St. Gobain hat immer wieder bewiesen dass es keinen Wert schafft sondern ihn zerstört.  Die Vorstandsvorsitzende von St. Gobain, Herr de Chalendar, hat auch eine Verantwortung vor  seinem Verwaltungsrate und seinen Aktionären.  Um die enorme Prämie zurückzuverdienen muss St Gobain Wert von Sika zu sich übertragen, in der Form von Umsätzen und Erträgen die bei St. Gobain anfallen und nicht bei Sika. Es geht nicht anders.  Das wird zu Lasten Sikas gehen, der Mitarbeitenden und der Aktionäre.   

In der Frage der Übernahme wissen wir das Recht auf unserer Seite. Seit der Notierung an der Börse hatte Sika immer eine Mehrheit des unabhängigen Verwaltungsrates.  So wollte es Romuald Burkard.  Die Umgehung dieser Rechte, die Auswechslung des Verwaltungsrates um die Vinkulierung an einen Dritten weiterzugeben, ist ausdrücklich untersagt.  Es ist deshalb falsch zu sagen dass die Eigentümer von vinkulierten Namensaktien damit umgehenm können wie sie wollen.  Im Gegenteil, wir kennen die Rechtslage ganz genau und sind zuversichtlich dass dies auch vom Kantonsgericht so entschieden wird.   

Das Schweizer Recht ist auch klar was die Rechte der Eigentümer einer Kapitalmehrheit angeht.  Der Traktand kommt später aber wir haben das Recht einen Sachverständigenauschuss einzusetzen und zu finanzieren, der die Interessen aller Aktionäre zu bewahren hat und über Verstöße zu berichten, die dann falls nötig auf dem Rechtsweg verhindert und geahndet werden müssen.   

Die Übernahme der vinkulierten Namensaktien durch St. Gobain ist nichts anderes als der Versuch einer Umgehung des Schweizer Rechts.  Ich möchte ganz klar sagen:  St. Gobain wird Sika niemals kontrollieren solange engagierte Mitarbeitende, Geschaeftsführung, Vewaltungsrat und Mehrheitsaktionäre dagegen sind.  Und das ist richtig so.  Die Vorteilsnahme ist auch gegen die Verantwortung und die Nachhaltigkeit eines Unternehmens wie St. Gobain, das auf eine lange Geschichte zurückblickt. 

Mit dem Übernahmeversuch greift St. Gobain auf Gepflogenheiten der schlimmsten Art zurück, die heute nicht mehr zeitgemäß und nicht mehr richtig sind.  Dies wird auch in Frankreich immer klarer.  Deshalb ist die richtige Entscheidung für St. Gobain den Übernahmeversuch zu beenden und sich auf ihr Geschäft zu konzentrieren und auf die Investitionen die darin nötig sind, und nicht Kapital über Jahre hinweg in einer Beteiligung zu binden die sie nie kontrollieren werden.   

Bitte lassen Sie mich noch folgendes hier sagen.  Wir kennen die Fragen die sich einer Unternehmerfamilie stellen. Es geht zum Einen um das Unternehmen und wie es sich bestmöglich entwickeln kann.  Welche Rolle soll die Familie haben und wie soll sich diese Rolle von einer Generation in die Nächste verändern?  Zum Anderen geht es aber auch um das Vermögen, das eine große Verantwortung darstellt.   Wie soll es für weitere Generationen bewahrt und vermehrt werden.  Und ist eine Beteiligung in einem Einzelunternehmen, selbst wenn es das Familienunternehmen ist, mit zu hohem Risiko verbunden, weil sie zu konzentriert ist, zu illiquide, vor allem wenn die Familie in darauffolgenden Generationen nicht mehr unmittelbar mit dem Unternehmen verbunden ist und andere wichtige Interessen für Ihre unternehmerische Gestaltung und auch für ihr Leben hat? 

Die sind alles wichtige und auch schwierige Fragen, die sich jede Familie stellen muss die sich in einer solchen Lage befindet.   Die Familie Burkard hat ihre Verantwortung für das Unternehmen bis jetzt erfüllt und ich bin zuversichtlich dass sie es auch weiter tun wird.  Es geht um die Vision Romuald Burkards und seiner Familie, um den Bestand Sikas als unabhängiges Schweizer Unternehmen, um die Mitarbeitenden, und auch um die Wertschaffung des Unternehmens, über die wir sehr zuversichtlich sind. 

Ich appelliere deshalb an die Familie Burkard:  es gibt Möglichkeiten wie Interesse gewahrt werden können, und wie die berechtigten Ansprüche und Bedürfnisse der Familie erreicht werden können, in einem einvernehmlichen Weg, in einem überschaubaren Zeitrahmen, mit einer höheren Rendite und weniger Risiko als die geplante Übernahme, und vor allem im Einklang mit dem Unternehmen, dem Verwaltungsrat und den anderen Aktionären.  Lassen sie die Streitigkeiten und die Kleinlichkeiten, die niemandem helfen, und suchen sie das Gespräch.  Dafür treten wir ein, in unserem eigenen Interesse und in dem von Sika.  Ich bin zuversichtlich dass es zu einem guten Ausgang führen wird, durch den alle wieder stolz sein können auf das was Sika erreicht hat und erreichen wird, und auch auf die Gründerfamilie Burkard die es ermöglicht und bewahrt hat.   

Vielen Dank.