Herr Präsident, wertes Management, geschätzte Aktionäre, meine Damen und Herren   

Als Politikerin bin ich es mich gewohnt, Druckversuchen standzuhalten. Ich bin mich auch gewohnt, dass man versucht zu lobbyieren und, dass man trotzdem seinen Werten treu bleiben sollte. 

Meine Damen und Herren, wenn wir heute in verschiedenen Tagesmedien und auch auf Plakaten, einen offenen Brief und Bekenntnisse seitens Saint-Gobain zu lesen bekommen, möchte ich Ihnen sagen, dass das wohl weniger für die Mitarbeitenden gedacht war, als eher zur Einflussnahme den Aktionären gegenüber. Als wir vor rund einem Jahr hier in der Halle zusammenkamen, da hat man gedacht und auch gesagt, dass die Angelegenheit wohl bald abgeschlossen sein würde. Nun, man könnte sagen vorerst wurde wohl Schlimmeres abgewendet. Ich spreche zu Ihnen nochmals als Wirtschaftspolitikerin, die eng mit dem Industriestandort und der Kunststoffindustrie verbunden ist. Ich sehe die Bedrohung der Arbeitsplätze in der Schweiz vielleicht mit anderen Augen als Sie, als Aktionäre, und bin besorgt um den Wohlstand dieses Landes. 

Es ist ganz emotionslos erhoben, dass es für Saint-Gobain als Mitbewerber von Sika bei einem Verkauf ein Leichtes sein könnte, die Vorteile des Zusammenschlusses zu nutzen, und das mag aus Sicht von Saint-Gobain auch absolut legitim sein. Sie, die Minderheitsaktionäre, meine Damen und Herren, hätten dabei allerdings das Nachsehen. Es ist einleuchtend, dass der Verwaltungsrat sich gegen diese nicht wirklich freundliche Kontrolle zur Wehr setzt und offenbar soll er, der Verwaltungsrat, einen Vorschlag zur Güte in der Schublade haben. Sehr oft geht es in einem Rechtsstreit nicht ausschliesslich um Finanzmittel. Es geht auch sehr oft um Gesichtswahrung. Und deswegen glaube ich dieses weise, eigentlich politisch ausgesprochene Wort des Volksmundes, das besagt: Ein Kompromiss ist dann am besten, wenn er alle in etwa gleich schmerzt, würde auch hier gelten und ich rufe Sie deshalb auf, heute Brücken zu bauen und endlich den nötigen Dialog aufzunehmen!

Trotz allen Herausforderungen - wir haben es gehört - hat das Sika Management standgehalten und unglaubliche Leistungen erbracht. Ich zolle Ihnen meinen Respekt. Trotz Rechtsklagen wird der Verwaltungsrat auch künftig noch unentgeltlich weiterarbeiten. Auch das, meine Damen und Herren, ist wirklich ein Respekt Wert!

And Ladies and Gentlemen, this very moment just a few moments ago, when the whole management stood in front of us, was really a demonstration of loyalty. This really, I must say, you had my respect!

Geschätzte Anwesende, das jüngste Beispiel Alstom zeigt, dass eben Belegschaft entlassen wird in der Schweiz, weil es anderenorts viel schwieriger wäre, wirklich zu restrukturieren. Alstom, Elektrolux schliesst die Produktion im Glarnerland, gemachte Versprechen könnten rasch zur Makulatur werden. Die Standorte der Sika in der Schweiz könnten bei einer Kontrolle durch Saint-Gobain gefährdet werden. Es geht mir aber nach wie vor um Treu und Glauben, denn unternehmerische Freiheiten müssen immer auch an Verantwortung geknüpft werden.  Auch Eigentumsrechte, die hier bemüht werden, meine Damen und Herren, müssen an Treu und Glauben geknüpft sein und diesen eben standhalten. Deshalb erlaube ich mir hier keck die Frage: Wer enteignet hier eigentlich wen? Ein Rechtsstaat lebt die Gewaltentrennung. Wir wissen das, und die Gerichte werden leider diese Frage entscheiden müssen.

Es geht um Freiheiten, meine Damen und Herren, aber auch um Verantwortung.   

Ich danke Ihnen sehr herzlich.